Der 1954 erschienene Roman „Herr der Fliegen“ („Lord of the flies“) ist das erste und zugleich bekannteste Werk des englischen Schriftstellers William Golding (1911-1993), des Nobelpreisträgers für Literatur 1983. Der Autor zeichnet das skeptische Bild einer gewaltbereiten, für eine schnelle Verrohung anfälligen menschlichen Natur.
William Golding beschreibt den ungleichen Kampf zwischen Zivilisation und dem Recht des Stärkeren:
Nach einem Flugzeugabsturz strandet eine Gruppe von Jungen im Alter zwischen 6 und 12 Jahren ohne Begleitung Erwachsener auf einer unbewohnten Pazifikinsel. Obwohl sozialisiert und von der westlichen Zivilisation geprägt, setzt sich in der Gruppe rasch das Recht des Stärkeren durch. Weniger starke Charaktere entwickeln sich zu reinen Mitläufern. Individuelle Charakterzüge gehen in einem fortschreitenden Prozess der Ent-Individualisierung verloren. Die Herausbildung von Masken verdrängt die Individualität und schafft die Voraussetzung für die Trennung von erlernten Werten. Die schnell verrohten Inselbewohner schrecken schließlich selbst vor Mord nicht mehr zurück.
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Das Schreckensbild einer verdummten und versklavten Gesellschaft.
Der 1932 erschienene Roman Schöne neue Welt (Brave New World) des britischen Autor Aldous Huxley (1894 – 1963) beschreibt die Schreckensvision einer Gesellschaft, deren Mitglieder bereits von frühester Kindheit an für eine feste Rolle in Gesellschaft und Arbeitsleben durch permanente Indoktrination geistig und körperlich „konditioniert“ werden. Bereits die (vielfach geklonten) Embryonen werden in ihrer körperlichen Entwicklung durch dosierte Zugabe von Nährstoffen oder Giftstoffen systematisch geprägt.

Oberstes Ziel aller Bemühungen der zehn Führer des Weltstaates („Controller“) ist die Sicherstellung von „Zufriedenheit“ und „Glück“. Die in ihrer vorgegebenen gesellschaftlichen Rolle verhafteten Arbeitssklaven, die jeweils einer bestimmten „Kaste“ angehören, sollen ihre Arbeit nicht notgedrungen verrichten, sondern sich mit ihr „glücklich“ identifizieren.

Als Instrumente zur Herstellung und Bewahrung eines subjektiv empfundenen „Glücksgefühls“ gelten beschreibt Huxley neben der konsequenten Unterdrückung jeglicher Individualität durch massive Indoktrination einen maximalen Konsum, unbegrenzte Möglichkeiten zum Ausleben der Sexualität und die tägliche Verteilung von Drogen. Unerwünscht sind hingegen eigenständiges Denken und Kritik, die die bestehende Ordnung ebenso nur gefährden könnten wie zu tiefgründige Kultur-Veranstaltungen und eine unabhängige Wissenschaft.

Parallelen zu den heutigen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnissen, in denen beispielsweise nicht nur pflichtgemäße Arbeitsausführung, sondern vielerorts eine „authentische“ Bejahung der auferlegten Arbeitspflichten verlangt wird, liegen sehr nahe. Die in Huxleys Werk enthaltenen Analysen bieten daher viele Ansatzpunkte, um die heutige Situation in Staat, Gesellschaft und Arbeitsleben kritisch zu beleuchten.

Das zwanzigseitige Nachwort (wohl aus 2014) erscheint hingegen deutlich zu „langatmig“ und inhaltlich viel zu wenig strukturiert und zugespitzt. Das Nachwort wirkt streckenweise sogar wie eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen und enthält zudem nur einen gering ausgeprägten Gegenwartsbezug. Das Aufzeigen solcher Bezüge wäre jedoch angesichts der zeitlosen Aussagen Huxleys nicht nur möglich, sondern für den heutigen Leser auch von hohem praktischem Interesse gewesen. Insoweit eine leider vergebene Chance.