Verena Kast: Abschied von der Opferrolle

Die renommierte Psychoanalytikerin Verena Kast analysiert das Spannungsverhältnis zwischen Aggressor und Opfer und entwickelt das Alternativmodell des Gestalters.

Nur am Rande berührt die Autorin  – ganz behutsam und fast unbemerkt – gesellschaftliche Zusammenhänge, wenn sie etwa – lediglich in einem Nebensatz – darauf verweist, dass „ein System, dass so sehr auf Macht, Reichtum und Ansehen basiert, weggeschlossene Leichen hat.“ Ja, da könnte sie wohl recht haben – warum nur so beiläufig?

Denn dass psychologische Erkenntnis natürlich auch für Kast eine große gesellschaftliche Relevanz hat, zeigt sie in ihrem Schlusskapitel, darauf hinweisend, dass es darum gehe, Macht zu opfern und das Leben nicht auf Machtstreben, Dominanz und Unterwerfung zu reduzieren.

Und auch das von Verena Kast herausgearbeitete Phänomen der Identifikation des Opfers mit dem Angreifer ist gerade angesichts einer ja unverändert streng hierarchisch geprägten Wirtschaftsordnung aktueller denn je: Die machthungrigen Aggressoren konnten uns bislang jedenfalls nicht nachweisen, dass sie über ein grundpositives, nachhaltig überzeugendes Geschäfts- und Lebensmodell verfügen.

Mit ihrem Alternativmodell des Gestalters setzt Verena Kast dagegen einen angenehm-ausgleichenden und auf persönliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung gerichteten wertvollen Impuls.

 

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