Aldous Huxley: Schöne neue Welt

Das Schreckensbild einer verdummten und versklavten Gesellschaft.
Der 1932 erschienene Roman Schöne neue Welt (Brave New World) des britischen Autor Aldous Huxley (1894 – 1963) beschreibt die Schreckensvision einer Gesellschaft, deren Mitglieder bereits von frühester Kindheit an für eine feste Rolle in Gesellschaft und Arbeitsleben durch permanente Indoktrination geistig und körperlich „konditioniert“ werden. Bereits die (vielfach geklonten) Embryonen werden in ihrer körperlichen Entwicklung durch dosierte Zugabe von Nährstoffen oder Giftstoffen systematisch geprägt.

Oberstes Ziel aller Bemühungen der zehn Führer des Weltstaates („Controller“) ist die Sicherstellung von „Zufriedenheit“ und „Glück“. Die in ihrer vorgegebenen gesellschaftlichen Rolle verhafteten Arbeitssklaven, die jeweils einer bestimmten „Kaste“ angehören, sollen ihre Arbeit nicht notgedrungen verrichten, sondern sich mit ihr „glücklich“ identifizieren.

Als Instrumente zur Herstellung und Bewahrung eines subjektiv empfundenen „Glücksgefühls“ gelten beschreibt Huxley neben der konsequenten Unterdrückung jeglicher Individualität durch massive Indoktrination einen maximalen Konsum, unbegrenzte Möglichkeiten zum Ausleben der Sexualität und die tägliche Verteilung von Drogen. Unerwünscht sind hingegen eigenständiges Denken und Kritik, die die bestehende Ordnung ebenso nur gefährden könnten wie zu tiefgründige Kultur-Veranstaltungen und eine unabhängige Wissenschaft.

Parallelen zu den heutigen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnissen, in denen beispielsweise nicht nur pflichtgemäße Arbeitsausführung, sondern vielerorts eine „authentische“ Bejahung der auferlegten Arbeitspflichten verlangt wird, liegen sehr nahe. Die in Huxleys Werk enthaltenen Analysen bieten daher viele Ansatzpunkte, um die heutige Situation in Staat, Gesellschaft und Arbeitsleben kritisch zu beleuchten.

Das zwanzigseitige Nachwort (wohl aus 2014) erscheint hingegen deutlich zu „langatmig“ und inhaltlich viel zu wenig strukturiert und zugespitzt. Das Nachwort wirkt streckenweise sogar wie eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen und enthält zudem nur einen gering ausgeprägten Gegenwartsbezug. Das Aufzeigen solcher Bezüge wäre jedoch angesichts der zeitlosen Aussagen Huxleys nicht nur möglich, sondern für den heutigen Leser auch von hohem praktischem Interesse gewesen. Insoweit eine leider vergebene Chance.

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