Reinhard Marx: Das Kapital: Ein Plädoyer für den Menschen. – Zwischen Markt und Marx

Reinhard Marx plädiert in seinem Werk „Das Kapital“ für eine globale soziale Marktwirtschaft als dritten Weg zwischen Markt und Marx, für eine aktive staatliche Ordnungspolitik, aber auch für Evolution statt Revolution. Das gut ausgearbeitete Leitmotiv „Gerechtigkeit“ ist der rote Faden, der sein Werk durchzieht.

Eine ausschließliche Ausrichtung auf Gewinnmaximierung könne keinesfalls ein sinnvoller Weg sein. Sinn ergebe sich erst in ethischer Ausrichtung, über moralische Wertmaßstäbe. Damit trifft Reinhard Marx den richtigen Kern, den Nerv unserer Zeit.

Angelehnt an Augustinus fragt Marx: Was ist eine Gemeinschaft ohne Gerechtigkeit anderes als eine Räuberbande? Auch eine Räuberbande verfügt ja bereits über einen Anführer, hat sich zu einer Gemeinschaft verabredet und teilt die Beute nach fester Übereinkunft. 
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Gelten diese Kriterien, die Augustinus auf Staaten bezog, nicht auch für alle heutigen Organisationen und Großunternehmen und insbesondere für diejenigen Mitglieder der ökonomischen Führungskaste, die senerzeit an der Auslösung der Finanzkrise beteiligt waren?

Reinhard Marx aber sucht stets den Konsens und möchte wohl am allerliebsten – ganz konsequent in seinem Denken – niemanden ausgrenzen, niemandem wirklich weh tun, möglichst zu jedermann eine hübsche Brücke bauen. Er vertritt engagiert überzeugende Positionen, scheint dann aber zuweilen deutlich an Konsequenz zu verlieren, versteht er doch immer, dass der ein oder andere „Räuber“ – leider, leider und nachvollziehbarerweise den einen oder anderen Einwand hegt, was es – abgewogenermaßen – natürlich zu berücksichtigen gelte…

Aber will sich wirklich jeder der von Reinhard Marx deutlich benannten „Räuber“ überhaupt mitnehmen zu lassen zu einer „gerechten“ Ordnung? Woher auch sollten die uns bekannten „Räuber“ nur so plötzlich den guten Willen zu ethisch-ehrenwertem Handeln nehmen..? Glaubwürdige Verhaltensänderungen setzen jedenfalls viel mehr voraus als zuweilen vorgetragene Proklamationen, im Angesicht der Finanzkrise vom Saulus zum Paulus geworden zu sein.

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