Die 1889 erschienene „Götzen-Dämmerung“ gehört zu den Spätwerken des Philosophen und Philologen Friedrich Nietzsche (1844-1900).

Das Werk setzt die von Nietzsche bereits früher begonnene Umwertung zeitgenössischer Werte („Götzen“) fort, deren Untergang er vorhersieht. Die Kritik an den von ihm benannten „Götzen“ bewegt sich insbesondere zwischen Moral, Religion, Psychologie, Logik und dem Phänomen der Dekadenz.

Die Götzen-Dämmerung erscheint als Sammlung von für Nietzsche wichtigen Leitsätzen und kurzen Essays zu verschiedensten, philosophisch und auch das Alltagsleben betreffenden Themen. Das Leitthema „Götzen-Dämmerung“ entlehnte Nietzsche parodistisch dem Titel von Richard Wagners „Götterdämmerung“.

Nietzsche hatte eine enorme Wirkung auf das Denken nachfolgender Generationen, die bis heute nachwirkt. Wer die Entwicklung zum heutigen Welt- und Selbstverständnis verstehen will, der wird früher oder später (fast „automatisch“) den Weg zu Friedrich Nietzsche finden – unabhängig davon, ob man allen seinen Einsichten folgen möchte.

Empfehlung: Als Einstiegslektüre in das Gesamtwerk Nietzsches ist die „Götzen-Dämmerung“ gut geeignet, da das (nur knapp 100 Seiten umfassende) Buch einerseits wichtige, von Friedrich Nietzsche früher entwickelte Gedanken zusammenfasst und andererseits in einer allgemeinverständlichen Sprache gehalten ist.

Tipp: Trotz leichter Lesbarkeit der „Götzen-Dämmerung“ ist zu empfehlen, sich vorab einen Überblick über die wechselhafte Biographie Nietzsches und die sich im Laufe seines Lebens wandelnden Überzeugungen des Autors zu verschaffen. Ohne einen solchen Vorab-Überblick bliebe der Erkenntnisgewinn einer Lektüre vermutlich begrenzt, da sich dem Leser dann etliche Fragestellungen und Bedeutungszusammenhänge kaum erschließen werden.

 

Der Arzt, Theologe, Philosoph und Musikwissenschaftler Albert Schweitzer (1975-1965) empfand seine „Kulturphilosophie“ als eines seiner bedeutendsten Werke.

Die „Kulturphilosophie“ Albert Schweitzers besteht aus insgesamt drei Bänden.
• Die vorliegende Beck’sche Buchausgabe enthält die ersten beiden Bände der Kulturphilosophie („Verfall und Wiederaufbau der Kultur“ sowie „Kultur und Ethik“), die 1923 erstmals erschienen sind.
• Der dritte Band der „Kulturphilosophie“ („Die Weltanschauung der Ehrfurcht vor dem Leben“, im vorliegenden Buch nicht enthalten) wurde aus dem Nachlass von Albert Schweitzer veröffentlicht.

Verfall und Aufbau der Kultur
Teilweise ganz überragende und eindrucksvolle Ausführungen. Die von Schweizer vor einhundert Jahren geschriebene Darstellung der „kulturhemmenden Umstände in unserem wirtschaftlichen und geistigen Leben“ klingen genau so, als hätte sie ein Autor gerade gestern verfasst – in unserer Zeit und über unsere Zeit. Geradezu genial.

Kultur und Ethik
Der Teilband „Kultur und Ethik“ enthält einen kompakten Abriss der Philosophiegeschichte.
• Dabei beschreibt Schweitzer zunächst die Lebens- und Weltanschauung sowie den individuellen Kultur-Bezug der jeweiligen Philosophie-Richtung.
• Besonders gut gelungen ist Schweitzer die jedes Einzelkapitel abschließende, sehr präzise Analyse der seiner Sicht kritikwürdigen Elemente der verschiedenen Philosophie-Richtungen.
• Aufbauend auf diesen Philosophie-Kritiken entwickelt Albert Schweitzer (inhaltlich gut nachvollziehbar und überzeugend) seine Vorstellungen von Kultur, Ethik, Lebens- und Weltanschauung: Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben.

Themenbereiche unter anderem:
• abendländischer und indischer Kulturbegriff
• Weltanschauung der Weltreligionen
• Ethik und Kultur der griechisch-römischen Philosophie
• Ethik und Weltanschauung der Renaissance,
• Ethik im 17. und 18. Jahrhundert
• Kultur im Zeitalter des Rationalismus
• Weltanschauung bei Kant, Spinoza, Leibniz, Fichte, Goethe, Schiller, Schleiermacher, Schopenhauer, Nietzsche u. a.
• Die Kulturphilosophie Albert Schweitzers: die von tiefer Humanität geprägte Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben

Empfehlung: Die „Kulturphilosophie“ von Albert Schweitzer ist insbesondere denjenigen sehr zu empfehlen, die bereits über philosophische Grundkenntnisse verfügen und daher die Besonderheiten der philosophischen Weltanschauung Schweitzers (in Abgrenzung zu anderen Sichtweisen) erkennen und bewerten können.

 

 

Die Autorin beginnt mit einem Gedankenexperiment zur Quantenphysik („Schrödingers Katze“), bevor sie die historische Entwicklung von der klassischen Physik zur Quantentheorie vorstellt (unter anderem die wissenschaftlichen Beiträge von Isaac Newton, Clerk Maxwell, Max Planck, Albert Einstein, Werner Heisenberg und Niels Bohr).
• Max Planck und das elementare Wirkungsquantum
• Unschärferelation Werner Heisenbergs
• Kopenhagener Deutung (Heisenberg und Bohr)
• Einstein versus Heisenberg
• Kopenhagener Deutung versus Multiwelt-Theorie

Röhlein vergleicht die Aussagen von Quantenphysik und klassischer Physik:
Wahrscheinlichkeit und Zufall treten an die Stelle strenger Kausalität mit ihrem Ursache-Wirkung-Prinzip.
• Wenn statistische Wahrscheinlichkeiten die Gewissheiten ersetzen, bedeutet dies eine Abkehr von der Kausalität als Wirkprinzip?
• Wie lassen sich die unterschiedliche Wirkprinzipien der (quantenphsikalischen) Mikrowelt und der vom Kausalitätsprinzip bestimmten Makrowelt in Einklang bringen?
• Wie durch Beobachtung und Messung aus Wahrscheinlichkeit Realität wird.

Ferner werden auch folgende Themen behandelt:
• die Schnittpunkte der Quantenphysik zu klassischer Physik und zur Chemie
Eigenschaften des Lichts, Spektrallinien, Absorptionslinien und Emissionslinien und was sich aus Struktur und Besonderheiten von Spektrallinien folgern lässt
• das Phänomen Licht als Welle und Teilchen: Wellentheorie versus Teilchentheorie, Doppelspalt-Experimente
• die Bedeutung der Quanten
Photonen als Energiemengen oder Lichtquanten
Quantenzahlen: Bahndrehimpuls, magnetische Quantenzahl, Spin und Spinquantenzahl
• die Bahnen von Elektronen: die möglichen Energieniveaus von Elektronen
• das Pauli-Prinzip: atomar gebundene Elektronen verfügen niemals über identische Quantenzahlen
• der Wechsel von Elektronen zwischen verschiedenen Atom-Schalen
• die Polarisation von Lichtwellen im Raum: die Richtung des Lichts im Raum, Polarisationsfilter
• Tunnel-Effekt
• Ionen-Fallen
• Quantentheorie und die Theorie der chaotischen Inflation

Das Schlusskapitel enthält eine ausführliche Darstellung praktischer Anwendungsbeispiele der Quantenphysik wie beispielsweise Lasertechnologie, Supraleiter, Medizintechnik (Kernspintomografie), Mikroelektronik und Quantencomputer.

Empfehlung: Natürlich ist auf knapp 120 Textseiten nur ein erster Überblick über die Quantenphysik möglich. Geeignet ist dieses Buch für alle, die einen leicht verständlichen und anschaulichen Einstieg in ein Wissensgebiet suchen, dass gleichermaßen für Mikro- und Astrophysik von zentraler Bedeutung ist.

 

Der Roman „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers (1900-1983) handelt von der Flucht von sieben Häftlingen aus dem Konzentrationslager „Westhofen“ südlich von Mainz. Nur einem der Flüchtlinge gelingt schließlich die Flucht in die Niederlande. (In der Realität befand sich – nur wenige Kilometer von der Ortschaft Westhofen entfernt – das KZ Osthofen nahe bei Worms.)

Anna Seghers ist ein mitreißender, zeitloser Roman gelungen. Die Autorin schildert in dramatischer Formdie Brutalität von Verfolgung und Unterdrückung Andersdenkender in einem Überwachungs- und Willkür-Staat.

Seghers erzeugt eine ungemein hohe (Dauer-) Spannung durch wechselnde Perspektiven, verschiedene Handlungsorte und Handlungszeiten und nicht zuletzt auch durch umgangssprachliche Elemente, die für zusätzliche Lebhaftigkeit sorgen. Verschiedene Handlungsstränge entwickeln sich parallel und kreuzen sich doch immer wieder, bevor sie schließlich in einem Ziel- und Höhepunkt der Handlung zusammenlaufen. Rückblenden in die Vergangenheit bauen eindrucksstarke Stimmungsbilder auf, vermitteln zusätzliche Hinweise über einzelne Protagonisten oder geben zusätzliche Hintergrundinformationen.

Zumeist erfolgt die Erzählung aus Sicht eines objektiven Dritten. Im Fließtext treten aber auch häufig Ich-Erzähler auf, die der Leser bei ihren momentanen Gedanken beobachten kann. Dann wieder wechselt die Perspektive in die oft beängstigenden Traumwelten von Protagonisten, die in einer gnadenlos feindlichen Welt, in einer existenzbedrohenden Umgebung verzweifelt um einen Haltepunkt, um ihr Überleben kämpfen.

Alles dies wirkt bei Anna Seghers nicht aufgesetzt, sondern vollkommen authentisch und real – trotz aller Komplexität verschiedener Handlungsstränge und Perspektiven ist alles harmonisch miteinander verwoben.

Von einem „Bonus“ profitieren diejenigen, die sich ein wenig im Rhein-Main-Gebiet auskennen. Als gebürtige Mainzerin lässt die ortskundige Anna Seghers die Handlung im Rhein-Main-Gebiet stattfinden – in Frankfurt am Main und im Taunus, von Mainz im Westen bis Wertheim im Südosten.

Empfehlung: Ein sehr spannender, den Leser ergreifender, ja mitreißender Roman, dessen Explosivität sich aus den Bezügen zur Geschichte Deutschlands ergibt – und aus den Bezügen zur heutigen Welt, in der häufig genug, die der skrupellose Autokraten und Diktatoren ihr Menschen verachtendes Unwesen treiben.

„Das siebte Kreuz“ – ein aufrüttelnder Appell für die individuelle und gesellschaftliche Freiheit und gegen Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung.

Preis: EUR 12,00

Kenntnisreich und in mitreißendem Schreibstil beleuchtet Rüdiger Safranski den Lebenslauf Johann Wolfgang Goethes (1749-1832). Inhalte, Entstehungsgeschichte und gedanklicher Hintergrund der einzelnen Werke Goethes werden erst dann wirklich verständlich, wenn sie in einen (mit dieser Safranski-Biografie ausgezeichnet gelungenen) Bezug zu den verschiedenen Lebensstationen Goethes, seiner Persönlichkeit und zum zeitgenössischen Umfeld gesetzt werden. Rüdiger Safranski erläutert beispielsweise, warum einzelne Werke anlassbezogen in wenigen Tagen entstanden, während Goethe an seinem „Faust“ – mit Unterbrechungen – sechs Jahrzehnte arbeitete, also über diverse Lebensphasen hinweg.

Nach der Lektüre dieser intensiv wirkenden Biografie versteht ein potenzieller Goethe-Leser dessen Werke bestimmt nicht mehr als eine bloß fremdartig wirkende Literatur aus längst vergangenen Zeiten. Vielmehr erscheint jedes Buch Goethes und auch sein Gesamtwerk nach der Lektüre dieser Biografie in einem völlig neuen Licht: So bedeutete etwa „Poesie“ für Goethe nicht eine beliebige, von der Realität losgelöste „Erfindung“ irgendwelcher Inhalte, sondern eine verstärkte Darstellung, eine Erhöhung realer Sachverhalte und Gefühle, so wie er sie eben zu einem bestimmten Zeitpunkt empfunden hat.

Über die Befriedigung eines rein historischen Interesses hinaus wird dem heutigen Leser der konkrete Nutzen deutlich, den er in der Gegenwart aus den Erkenntnissen des weit vorausschauenden Goethe ziehen kann. Jeder Leser dürfte sich nicht nur in den gleichermaßen weitgreifenden und unmittelbar eingängigen Erkenntnissen Goethes, sondern auch in den präzise beschriebenen Eigenschaften von Protagonisten und auch an historischen Schauplätzen wiederfinden.

Biograf Safranski versteht es auf wirklich faszinierende Weise, den Leser mit Goethe und mit zahlreichen seiner Bekannten und Freunde aus Frankfurt, Weimar und Jena, aus Leipzig, Zürich und Berlin, aus Düsseldorf, Wiesbaden oder Elberfeld vertraut zu machen – von Herder, Lavater, Brentano und Humboldt, von Metternich bis Napoleon, von Lilli Schönemann und Charlotte von Stein bis zu Christiane Vulpius – um nur ganz wenige zu nennen.

Wer diese Biografie gelesen hat, der wird sich auch den so individuellen, so unterschiedlichen Einzelwerken des „Meisters aus Deutschland“ mit unvergleichlich größerem Verständnis, wie mit weit geöffneten Augen annähern können. Die Bücher des „großen Meisters aus Deutschland“ bekommen eine viel tiefere Bedeutung – als dies vielleicht in so manchem Schulunterricht (schon aus Zeitgründen) möglich war.

Buch-Empfehlung: Eine mitreißende Biografie, die nicht nur den Protagonisten Johann Wolfgang Goethe, den Frankfurter Bürger aus gut situierter Familie und den Staatsminister von Sachsen-Weimar wieder zum Leben zu erwecken scheint, sondern in ungemein eindrücklicher Darstellung auch den praktischen Nutzen der Erkenntnisse Goethes für unsere heutige Zeit vermittelt.

Gabriel García Márquez ist ein kolumbianischer Schriftsteller (1927-2014), dem 1967 mit seinem Roman „Cien años de soledad“ (Hundert Jahre Einsamkeit) der literarische Durchbruch gelang. 1982 wurde García Márquez mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

García Márquez beschreibt in „Hundert Jahre Einsamkeit“ die über hundertjährige Geschichte der Familie Buendías – den Aufstieg, aber auch den Verfall und Untergang der Familie und ihres Heimatdorfes Macando, das einst vom ersten Buendía nahe der Karibikküste Kolumbiens gegründet wurde.

Die Historie der Familie Buendías zeichnet das von Gloria und tiefem Leid geprägte Schicksal Lateinamerikas nach – zwischen Momenten der Euphorie, brutaler Unterdrückung der Zivilgesellschaft durch korrupte Regierungen und Militär, Ausbeutung der einheimischen Landbevölkerung durch ausländische Konzerne, wirtschaftlicher und kultureller Verelendung und schließlich dem völligen Untergang in einer Naturkatastrophe.

Kunstvoll baut Gabriel García Márquez seine Romanhandlung auf, indem er Schritt für Schritt weitere Protagonisten aus der Familie oder aus deren Umfeld in die Handlung integriert – und die persönliche Entwicklung der handelnden Personen und die Beziehungen zwischen ihnen darstellt – meistens ab ihrer Geburt (oder von ihrer frühen Kindheit an) bis zum Tod.

Tipp: Um den Handlungsablauf leichter verstehen und nachvollziehen zu können, ist die Anlage eines kleinen Stammbaums der Familie Buendía zu empfehlen. Denn etliche der Protagonisten aus sechs Familiengenerationen verfügen (aus im Laufe der Handlung einleuchtenden Gründen) über den gleichen oder einen sehr ähnlichen Namen.

Empfehlung: Kunstvoller, sehr dichter Roman. Außerordentlich intensiv und spannend. Ein literarisches Werk, das verstehen lässt, aus welchen Gründen der Autor den Nobelpreis für Literatur erhielt.

Nachvollziehbar, dass ein solcher Roman eine weltweite Auflage von 30 Millionen Exemplaren erreichte.

Die Biografin Elisabeth Young-Bruehl (1946-2011) war einst Studentin bei der Philosophin, Politik-Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt (1906-1975) an der New Yorker School School for Social Research. Für die Ausarbeitung der vorliegenden Biografie standen des Psychotherapeutin Young-Bruehl auch der Arendt-Nachlass und die umfangreiche Korrespondenz Arendts weitestgehend zur Verfügung. Die Biografie vermittelt einen fachlich detaillierten, aber auch emotional berührenden Einblick in Persönlichkeit, Lebenslauf und die wichtigsten Werke Hannah Arendts.

Zu den Hauptwerken Hannah Arendts gehören „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (politisch) sowie „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ (philosophisch). Eine besondere Rolle spielt die Arendt-Biografie über die jüdisch geborene und 1814 zum Christentum konvertierte Rahel Varnhagen (1771-1833), die von 1790 bis 1806 einen bedeutenden literarischen Salon in Berlin führte und der sich Hannah Arendt in verschiedener Hinsicht nahe fühlte.

Die Wurzeln der im ostpreußischen Königsberg ansässigen jüdischen Familien Arendt und Cohn werden ebenso eingehend beleuchtet wie alle wichtigen Lebens- und Berufsstationen Arendts. Hervorragend gelungen ist der Biografin auch die Einbettung der Lebensgeschichte Hannah Arendts in ihren zeitgeschichtlichen Hintergrund – zwischen verlorener deutscher Heimat, jüdischer Identität, einem für Spätgeborene kaum vollumfänglich nachvollziehbaren Grauen des Nationalsozialismus und der neuen Heimat USA.

Nach ihrer Emigration aus Deutschland (1933) und dem Verlust ihrer deutschen Staatsangehörigkeit (1937) erhielt Arendt erst nach langer und schmerzhaft empfundener Staatenlosigkeit im Jahr 1951 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hannah Arendt zu einer wirkmächtigen Professorin, Journalistin, Historikerin und „politischen Philosophin“ – vor dem Hintergrund von israelischer Staatsgründung, Eichmann-Prozess in Jerusalem, Vietnam-Krieg, Black-Power-Bewegung in den USA, Ermordung von John F. Kennedy und Martin Luther King sowie Watergate-Skandal.

Leben und Denken Hannah Arendts wurde von den Kontakten zu Martin Heidegger, bei dem sie zwei Semester Philosophie in Marburg studierte, sowie durch die lebenslange Verbundenheit zu Karl Jaspers wesentlich mitgeprägt, bei dem sie in Heidelberg promoviert hatte.

 

Gut strukturierte und auch für Laien gut verständliche Darstellung der Gravitationswellen und der von Albert Einstein im Jahr 1915 veröffentlichten Allgemeinen Relativitätstheorie, deren bisherige Ergebnisse Einsteins geniale Annahmen bislang bestätigt haben.

Anlass und Ausgangspunkt des Gravitationswellen-Buches von Günter Spanner ist der erstmalige direkte Nachweis einer Gravitationswelle durch zwei US-amerikanische Interferometer im September 2015. Die Gravitationswelle stammte von zwei Schwarzen Löchern, die vor 1,3 Milliarden Jahren zusammenstürzten und über insgesamt 65 Sonnenmassen verfügten. Von dieser Gesamtmasse wurden in einem gewaltigen kosmischen Ereignis drei Sonnenmassen in Gravitationsenergie umgewandelt und abgestrahlt.

Der Autor erläutert sehr anschaulich und detailliert, wie die dem Gravitationswellen-Nachweis dienenden Interferometer-Großanlagen funktionieren und welche Informationen aus den den verschiedenen Bestandteilen der Gravitationswellen abgeleitet werden können.

Günter Spanner zeigt die potenzielle Bedeutung der Gravitationswellenforschung für ein besseres Verständnis des Universums auf – nicht zuletzt auch bei der Erforschung der Dunklen Materie. Als mögliche Quellen einer Gravitationswelle beschreibt der Autor unter anderem Schwarze Löcher, Supernovae und Neutronensterne insbesondere auch Magnetare und Pulsare, die sich zudem als „kosmische Messstationen“ für Gravitationswellen nutzen lassen.

In einem Ausblick erläutert der Günter Spanner die absehbar nächsten Schritte der internationalen Gravitationsforschung. Dabei handelt es sich sowohl um erdgebundene Interferometer-Projekte als auch um gewaltige Weltraum-gestützte Vorhaben. Zu den terrestrischen Entwicklungen zum verbesserten Gravitationswellen-Nachweis zählt der Aufbau eines weltweiten Netzes von Interferometern in den USA, Deutschland, Italien, Indien und Japan.

Abschließend gibt der Autor einen Überblick über die aktuelle Theorie-Diskussion in Astrophysik und Kosmologie.

Aufgrund der fachkundigen und verständlichen Darstellung empfehlenswert.

Eventuelle Vorkenntnisse: Grundkenntnisse der Speziellen Relativitätstheorie erleichtern das Verständnis der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Gravitation als einer der vier physikalischen Grundkräfte.

 

 

Rüdiger Safranski stellt die wesentlichen Gedanken und Werke von Friedrich Nietzsche sehr klar und überzeugend vor – unter Verknüpfung mit der Biografie des Philosophen: Nur auf diese Weise lassen sich die teils widersprüchlichen Aussagen einordnen, die Friedrich Nietzsche zu unterschiedlichen Zeitpunkten seines Lebenslaufs entwickelte. Das Nietzsche-Werk Safranskis zeichnet sich durch einen klaren roten Faden aus. Der Autor verfügt über ein faszinierendes Universalwissen, das es ihm fast spielerisch ermöglicht, komplexe Zusammenhänge gut verständlich aufzuzeigen.

Safranski arbeitet die Verbindung Nietzsches mit dem zeitgenössischen Hintergrund heraus und verdeutlicht die gewaltige Wirkung Nietzsches auf nachfolgende Philosophen-Generationen, aber auch auf Politik und Gesellschaft. Gedankenlinien führen beispielsweise zu Sigmund Freud, Martin Heidegger, Thomas Mann, Henri Bergson, Adorno/Horkheimer und Michel Foucault. Der Autor erläutert, wie es dazu kam, dass einige Nietzsche-Äußerungen einseitig für bestimmte (insbesondere politische) Zwecke missbraucht werden konnten. Eine im Anhang befindliche „Chronik“ enthält eine nach einzelnen Kalenderjahren strukturierte, stichwortartige Nietzsche-Biografie.

Rüdiger Safranski verfügt über einen sehr gut verständlichen Schreibstil – bei dem jedoch jeder einzelne Satz von Bedeutung ist. Jedes Wort scheint bei Safranski abgewogen. Kein Satz ist überflüssig. Das heißt für den Leser: Jeder Satz muss „ernst genommen“ werden, nichts darf schnell einmal „überlesen“ werden – weil sonst das Verständnis für die fein gewobenen Gedankengänge des Autors verloren ginge.

Man wird bestimmt nicht jedem einzelnen Gedanken Nietzsches wortwörtlich folgen wollen, aber aus der wirbelnden Ideenwelt des Philosophen Friedrich Nietzsche ergeben sich sicherlich vielfältige Erkenntnisse und Gedankenanstöße.

Lesenswert – für jeden, der Grundlagen und Zusammenhänge europäischer Kultur verstehen möchte.

 

Für seinen 1924 erschienenen Roman „Der Zauberberg“ erhielt Thomas Mann (1875-1955) im Jahr 1929 den Nobelpreis für Literatur.

Der Zauberberg ist ein Bildungsroman, der die persönliche Entwicklung des Protagonisten Hans Castorp über einen mehrjährigen Zeitraum darstellt. Der 24-jährige Ingenieur Castorp reist 1907 von seiner Heimatstadt Hamburg in den schweizerischen Kurort Davos, um seinen Vetter Joachim Ziemßen zu besuchen, der sich wegen einer Tuberkulose-Erkrankung in einem dortigen Sanatorium aufhält.

Die Relativität der „Zeit“ thematisiert Thomas Mann in verschiedensten Zusammenhängen. Das Zeitempfinden wird offenbar stark beeinflusst von der jeweiligen Lebenssituation und der Gedanken- und Gefühlswelt des einzelnen Menschen. Auch der Handlungsablauf des Romans ist mit verschiedenen „Zeit-Geschwindigkeiten“ unterlegt: Während die ersten Monate des Castorp‘schen Aufenthalts in Davos zeitdehnend etwa die Hälfte des Romans einnehmen, entfällt auf den über sechsjährigen „Rest“-Abschnitt zeitraffend ein ähnliches Roman-Volumen.

Offenbar besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem individuellen Zeitempfinden und den im „Zauberberg“ behandelten Motiven Leid, Krankheit und Tod, die im Sanatorium zwar allgegenwärtig sind, aber von den Kranken doch oft verdrängt werden. Thomas Mann beschreibt detailliert die unterschiedlichsten Charaktere der aus ganz Europa stammenden Patienten, die im Sanatorium – manchmal zurecht, oft vergeblich – auf Heilung hoffen.

Der Ingenieur Castorp befasst sich in Davos intensiv mit verschiedensten naturwissenschaftlichen Themen, beispielsweise im Zusammenhang mit der Flora der Schweizer Alpen. Auch die Erkundung von Musik und Kunst spielen für den wissensbegierigen Castorp. Castorp wächst zunehmend aus der Rolle eines Sanatoriums-Besuchers in diejenige eines „Bildungsreisenden“, der schließlich die Kontakte in seine Heimat („Flachland“) abbricht und sich in der Welt des Sanatoriums heimisch wird.

An den intensiven philosophischen und politischen Diskussionen zwischen seinen Mentoren Settembrini und Naphta nimmt Castorp vorwiegend als von den Diskutanten hart umkämpfter Zuhörer teil. Die Figuren Settembrini und Naphta verkörpern gegensätzliche, ja fanatisch unversöhnliche Ideologien: Settembrini vertritt als Humanist und Freimaurer Positionen der individuellen „Freiheit“, der Jesuit Naphta lehnt die individuelle Freiheit zugunsten eines auf Terrorismus gestützten Gottesstaates ab. Letztlich setzt sich keiner der beiden Kontrahenten mit seiner „Vernunft“-Idee durch: Während Naphta anlässlich eines Duells mit Settembrini Selbstmord begeht, erliegt Settembrini schließlich seinem Tuberkulose-Leiden.

Einen völlig anderen Charakter stellt Thomas Mann mit der Figur des Niederländers Mynheer Peeperkorn vor. Peeperkorn überzeugt nicht durch den Inhalt seiner (zumeist vom Satzbau her unvollständigen) Kommunikation, sondern durch seine natürliche Autorität, mit der er sich als unwidersprochene Leitfigur innerhalb einer Gruppe positioniert.

Aus dem von Castorp zunächst geplanten dreiwöchigen Besuch in Davos wird schließlich ein siebenjähriger Aufenthalt: Erst 1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges reist Castorp in die Heimat zurück, um als Soldat an vorderster Front mitzukämpfen. Hier verliert sich zum Abschluss des Romans die Spur Hans Castorps. So wird „Der Zauberberg“ letztlich zu einer Beschreibung den Verfalls – die lange Zeit fragil zwischen Hoffnung und Krankheit schwankt und schließlich im Todes-„Donnerschlag“ Weltkrieg endet.