Die renommierte Psychoanalytikerin Verena Kast analysiert das Spannungsverhältnis zwischen Aggressor und Opfer und entwickelt das Alternativmodell des Gestalters.

Nur am Rande berührt die Autorin  – ganz behutsam und fast unbemerkt – gesellschaftliche Zusammenhänge, wenn sie etwa – lediglich in einem Nebensatz – darauf verweist, dass „ein System, dass so sehr auf Macht, Reichtum und Ansehen basiert, weggeschlossene Leichen hat.“ Ja, da könnte sie wohl recht haben – warum nur so beiläufig?

Denn dass psychologische Erkenntnis natürlich auch für Kast eine große gesellschaftliche Relevanz hat, zeigt sie in ihrem Schlusskapitel, darauf hinweisend, dass es darum gehe, Macht zu opfern und das Leben nicht auf Machtstreben, Dominanz und Unterwerfung zu reduzieren.

Und auch das von Verena Kast herausgearbeitete Phänomen der Identifikation des Opfers mit dem Angreifer ist gerade angesichts einer ja unverändert streng hierarchisch geprägten Wirtschaftsordnung aktueller denn je: Die machthungrigen Aggressoren konnten uns bislang jedenfalls nicht nachweisen, dass sie über ein grundpositives, nachhaltig überzeugendes Geschäfts- und Lebensmodell verfügen.

Mit ihrem Alternativmodell des Gestalters setzt Verena Kast dagegen einen angenehm-ausgleichenden und auf persönliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung gerichteten wertvollen Impuls.

 

Exzellenter Einstieg in die Philosophie, wunderbar geschrieben.
Der Philosoph und Politologe Luc Ferry, früherer französischer Erziehungsminister beschreibt in seinem Buch mit dem eher wenig aussagekräftigen Titel „Leben lernen: Eine philosophische Gebrauchsanweisung“ fünf philosophische (bzw. religiöse) Gedankengebäude: Den griechisch-römischen Stoizismus, das Christentum, den Humanismus (mit den Hauptrepräsentanten Descartes, Rousseau und Kant), die Postmoderne (insbesondere Nietzsche) und die zeitgenössische Philosophie nach der „Dekonstruktion“ (durch Nietzsche und seine ideengeschichtlichen Nachfolger).

Ferry stellt die einzelnen Denkrichtungen zunächst neutral dar – jeweils gegliedert nach den drei philosophischen Hauptthemen: Theorie (Verständnis dessen, was ist), Ethik/Moral (Bedürfnis nach Gerechtigkeit/wie sollte es sein?) und Weisheit (Suche nach Glück).

Daran anschließend nimmt der Autor Stellung und begründet schließlich seine Position als Humanist des „erweiterten Denkens“, der auf eigene Positionierung nicht verzichtet, aber sich für andere Philosophie-Richtungen öffnet, um seine Sichtweise kontinuierlich zu erweitern. Sein Arbeitsprintip lautet: Zu sich selbst auf Distanz gehen, um Selbstreflexion zu ermöglichen.

Der Titel „philosphische Gebrauchsanweisung“ erscheint eher nichtssagend und sehr austauschbar – wohl eine vergebene Chance, noch mehr – berechtigte – Aufmerksamkeit für ein wirklich überzeugendes Werk zu erzielen… sehr kompakter, unter prägnanten Schwerpunktsetzungen klar strukturierter und dabei leicht lesbarer Gesamtüberblick über die wesentlichsten philosophischen Grundrichtungen.
Empfehlung: Selbst mehrfaches Lesen dieses Buches ist keine Zeitverschwendung..

Über rücksichtslose Befehlsgeber und zwanghafte Befehlsempfänger.
Der Jugendliche Siggi Jepsen ist Protagonist des 1968 erschienenen Romans Deutschstunde von Siegfried Lenz. Ende des Zweiten Weltkrieges wird Siggi in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche zu einer Strafarbeit zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ verurteilt. Aber anstatt seine Aufgabe in kurzer Zeit abzuschließen, erschafft er in monatelanger Arbeit ein detailliertes Bild seiner Familie sowie der dörflichen Gemeinschaft, in der er aufgewachsen ist und wird sich so seiner eigenen Persönlichkeit bewusst. Der Roman von Siegfried Lenz spiegelt einen vorläufigen Endpunkt einer deutschen Kulturgeschichte, deren Pflichtorientierung von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Im Zentrum des aus der Perspektive des Ich-Erzählers Siggi geschriebenen Romans stehen Pflicht und Zwang. Siggis Vater, „Polizeiposten“ im schleswig-holsteinischen Rugbüll, verkörpert das Bild des pflichtbewusst-zuverlässigen Befehlsempfängers. Überzeugt vom Vorrang der Pflicht führt er „aus Berlin“ erhaltene Befehle der nationalsozialistischen Machthaber willig aus, ohne jemals einen Zweifel zu verspüren.

Siggi empfindet hingegen eine emotionale Nähe zu dem (international anerkannten) Maler Nansen, der von den nationalsozialistischen Machthabern ein Berufsverbot erhalten hat, dass der Polizeiposten durchsetzen soll und will. Selbst nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Untergang der Befehlsgeber, die sich unter den neuen Gegebenheiten flexibel und rasch auf die „richtige“ Seite schlagen, stellt der „Polizeiposten“ dem Maler zwanghaft nach.
Im Handeln des Polizisten zeigt sich, wie sich sein Pflichtbewusstsein zwanghaft verselbständigt hat. Die unerbittliche Ausführung einmal erhaltener Befehle ist zu seinem wesentlichen, vielleicht einzigen Lebensziel geworden.Vermeintlich bedrohte Bilder durch Diebstahl zu schützen, wird schließlich zur ebenfalls zwanghaften Vorstellung Siggis, was ihn in die Erziehungsanstalt bringt.

Siegfried Lenz ist der Überzeugung, dass den wertelos-skrupellosen Befehlsgebern alles zuzutrauen ist. Niemand solle sich über ihre Rücksichtslosigkeit täuschen. Die Stärke der Skrupellosen liege gerade darin, dass sie eben keinerlei Rücksicht nehmen. Die Freiheit des Einzelnen sei dadurch gefährdet, dass sich die Machthaber anmaßten, alles und jedes einer Bewertung zu unterziehen. Was keine Wertung besitze, sei aus Sicht der Machthaber nicht der Rede Wert. Die Machthaber nähmen für sich eine Allzuständigkeit in Anspruch, die das Eingestehen noch nicht einmal einer punktuellen Unwissenheit zulässt.

Die von Lenz erstellte Skizze deutscher Kultur betrifft nicht nur die vergleichsweise kurze nationalsozialistische Epoche. Die Reduzierung und Überbetonung des Pflichtbewussten als markantes Element deutscher Herrschaftsordnungen hat sich bis in die Gegenwart enthalten. Während jedoch im staatlichen Bereich das Gewaltpotenzial von Despoten durch (nicht nur formal geltende) demokratische Prinzipien und Gewaltenteilung eingedämmt wurde, fehlen vergleichbare Regeln und Werte bei großen nicht-staatlichen Organisationen weitgehend. Die von Lenz dargestellte deutsche Kulturtradition von selbstzufriedenem Befehl und untertänigstem Gehorsam lebt hier ungestört weiter.

So stellt sich z. B. die Frage, welches Großunternehmen noch glaubt, ohne das Prinzip der Rücksichtslosigkeit gegenüber Mitarbeitern und deren unbedingtes Pflichtbewusstsein funktionieren zu können. Als „erfolgreich“ gelten häufig die brutalsten und zugleich von sonstigen „überflüssigen“ Werten am wenigsten belasteten Befehlsgeber. Niemand soll sich täuschen lassen, sagt Lenz. Nur die zufälligen historischen Umstände haben die auf Befehl und Pflicht orientierten „eiskalten“ Machthaber im Dritten Reich an militärische Fronten und in Konzentrationslager beordert. Heute agieren sie an anderer Stelle – rein zufällig.
Preis: EUR 10,00

 

 

Wie Desinformation und Strippenzieherei ein Leben zerstören können.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum ist eines der bekanntesten Werke von Heinrich Böll (1917-1985), dem Nobelpreisträger für Literatur von 1972. Böll schrieb die 1974 erschienene Erzählung vor dem Hintergrund seiner Auseinandersetzungen mit der Springer-Presse – im Nachgang zu den Studentenunruhen und Gewaltdebatten der 1960er und 1970er Jahre.

Aus heutiger Sicht erscheint der Roman Katharina Blum wie aus der Anfänger-Epoche einer hässlichen Desinformationskultur. Zielgerichtete und Menschen verachtende Desinformation und Verleumdungen bis hin zu physischer Vernichtung politischer Gegner und sonstiger Andersdenkender haben sich vor allem zu einer Angelegenheit autoritär geführter Staaten und der von ihnen kontrollierten Medien, Polizeiapparate und Geheimdienste entwickelt – in ihrer Wirkung durch Globalisierung noch verstärkt.
Für alle diese Fälle aber passt Bölls Feststellung wie die „Faust aufs Auge“: „Wer tausendmal lügt, dem glaub ich nicht, auch wenn er EINMAL die Wahrheit sagt.“

Die Boulevard-Presse nimmt einige Jahrzehnte nach Bölls Erzählung (jedenfalls vordergründig) wohl eine weniger prominente Rolle in der politischen Diskussion als in den 1970er Jahren ein. Das Vorspiegeln vermeintlich einfacher Lösungen für immer komplexere Probleme, eine undifferenzierte Darstellung und das Verzerren der Wirklichkeit fördert – jedenfalls mittelbar und langfristig – den Nährboden eines abstoßend wirkenden Populismus, der ebenso wie Boulevard-Presse und willfährige Staatsmedien vom Glauben an Einfach-Lösungen und von „alternativen Fakten“ lebt.

Böll sagt in seinem Nachwort zu Katharina Blum fast entschuldigend: „Vorzuwerfen habe ich mir nur eins: daß dieses Buch zu harmlos ist.“ Ja, für unsere Zeit… viel zu harmlos.

Ausgezeichnete Einführung vor allem in die Spezielle Relativitätstheorie Albert Einsteins. Sehr verständlich geschrieben. Starkes Bemühen der Autoren erkennbar, Leser ohne wesentliche Vorkenntnisse punktgenau „abzuholen“ und schrittweise „heranzuführen“. Dies erspart allerdings nicht eine sorgfältige und zuweilen auch nachdenkliche Lektüre.

Behandelt werden unter anderem die Bedeutung und Verbindung von Masse, Energie, Geschwindigkeit und Zeit, die Dimension Raumzeit, euklidische und Raumzeit-Geometrie, Raumzeit-Krümmung, „Weltformel“, Gravitation sowie die aktuellen Forschungsergebnisse zu den zwölf fundamentalen Elementarteilchen. Sehr klar wird auch dargestellt, worin sich Newtons und Einsteins Weltverständnis unterscheiden und wie es zu einer Weiterentwicklung von Newtons Denkmodellen zur Relativitätstheorie Einsteins kam.

Entscheidend für das Verständnis des Buches ist wohl, sich vom gewohnten „absoluten“ Alltagsverständnis von Raumdimensionen, Zeit und Geschwindigkeit zu „verabschieden“ und sich auf eine „relative“ Weltsicht einzulassen.

Als hilfreich erweist sich das ausführliche Register, das ein rasches Nachschlagen von Kernbegriffen bzw. zentralen Aussagen erleichtert. Die eindrucksvollste und überzeugendste Heranführung an die Relativitätstheorie, die ich (als Physik-Laie) bisher gelesen habe.

Eine inhaltlich ausgezeichnete Einführung in die Mikro- und Astrophysik durch einen sehr fachkundigen Autor, der dem Leser eine komplexe Materie in aufgelockerter Form nahe bringt und auch über historische Entwicklungen (z. B. am CERN) informiert.

Allerdings: Abrufbare Vorkenntnisse über die Spezielle Relativitätstheorie Einsteins erleichtern ganz bestimmt den Einstieg in das Buch. Wer sich ohne das „Marschgepäck“ eines Vorwissens zum mikrokosmischen „Teilchenzoo“ an die Lektüre wagt, der dürfte womöglich bald enttäuscht aufgeben, zumal der Autor – begeistert über das Thema mit seiner Fachkompetenz spielend – auch schon einmal Fachbegriffe verwendet, ohne diese zuvor zu erläutern.

Wer jedoch die ersten etwa 60 Seiten sorgfältig durchgearbeitet hat und mit den Grundbegriffen des „Teilchenzoos“ umgehen kann, der wird wohl auch an den „restlichen“ 440 Seiten zu CERN, Higgs-Boson, Antimaterie, Dunkler Materie, Dunkler Energie, Supersymmetrien und Stringtheorie Interesse finden und sich ein außerordentlich spannendes und vom Autor gut aufbereitetes Thema erschließen, das schließlich sogar philosophische Fragen berührt.

Ein schnelles Durchlesen „im Vorübergehen“ ist nicht zu empfehlen. Regelmäßiges Nachschlagen an denjenigen Textstellen, in denen bestimmte Fachbegriffe der Mikro- oder Astrophysik erstmals erläutert werden, erscheint unerlässlich, um dem weiteren Textverlauf folgen zu können. Wer als Laie allzu oft (nach etlichen Seiten nicht mehr präsente) Fachbegriffe „überliest“, ohne immer wieder einzuhalten und sich die Mühe zu machen, Fachliches sich noch einmal bewusst machen, der wird nur einen eingeschränkten Nutzen aus dem Buch ziehen können.

Erwähnt werden muss aber, dass dieses Sachbuch einen durchaus schwerwiegenden Mangel aufweist (gerade für in der Mikro- und Astrophysik zunächst unkundige Laien): Das Buch verfügt nur über ein rudimentäres Inhaltsverzeichnis und verzichtet auf jegliches Stichwortverzeichnis – ein eklatante Lücke für ein thematisch anspruchsvolles Werk. Die daher erforderliche (eben auch nicht durch ein hinreichend aufgegliedertes Inhaltsverzeichnis unterstützte) Suche nach den erläuternden Fundstellen innerhalb eines 500-seitigen Buches ist für den Leser sehr umständlich und zeitaufwändig (wenn man denn den Text wirklich verstehen möchte).

Dieser Mangel wird auch nicht durch die exzellenten Übersichten zu Kernbegriffen der Mikro- und Astrophysik (in Tabellen- bzw. Listenform), am Ende jedes der sieben Kapitel eingefügte Zusammenfassungen oder durch das umfangreiche Literaturverzeichnis ausgeglichen. Wegen des sehr guten und insgesamt verständlich dargestellten Inhalts ist das Buch gleichwohl empfehlenswert.

Die gute Struktur des Buches, eine übersichtliche textliche Gestaltung, eine gut verständliche Sprache und viele Abbildungen wecken wohl bei jedem Leser das Interesse an der Astronomie.

Die im Buch enthaltenen zahlreichen Tipps rund um die Astronomie führen systematisch
– von der Beobachtung bei Tag und bei Nacht mit bloßem Auge
– zum Teleskopkauf,
zur Beobachtung von
– Sonne, Mond und Planeten,
– Sternen, Nebeln und Galaxien
und schließlich zur
– Astrofotografie.
Markante „Himmelsereignisse“ bis in das Jahr 2020 werden präzise datiert aufgeführt.

Was keinesfalls selbstverständlich ist: Der stabile Einband und kräftiges Papier gewährleisten, dass das knapp 200 Seiten starke Buch für längere Zeit ansehnlich bleiben wird.

Das Schreckensbild einer verdummten und versklavten Gesellschaft.
Der 1932 erschienene Roman Schöne neue Welt (Brave New World) des britischen Autor Aldous Huxley (1894 – 1963) beschreibt die Schreckensvision einer Gesellschaft, deren Mitglieder bereits von frühester Kindheit an für eine feste Rolle in Gesellschaft und Arbeitsleben durch permanente Indoktrination geistig und körperlich „konditioniert“ werden. Bereits die (vielfach geklonten) Embryonen werden in ihrer körperlichen Entwicklung durch dosierte Zugabe von Nährstoffen oder Giftstoffen systematisch geprägt.

Oberstes Ziel aller Bemühungen der zehn Führer des Weltstaates („Controller“) ist die Sicherstellung von „Zufriedenheit“ und „Glück“. Die in ihrer vorgegebenen gesellschaftlichen Rolle verhafteten Arbeitssklaven, die jeweils einer bestimmten „Kaste“ angehören, sollen ihre Arbeit nicht notgedrungen verrichten, sondern sich mit ihr „glücklich“ identifizieren.

Als Instrumente zur Herstellung und Bewahrung eines subjektiv empfundenen „Glücksgefühls“ gelten beschreibt Huxley neben der konsequenten Unterdrückung jeglicher Individualität durch massive Indoktrination einen maximalen Konsum, unbegrenzte Möglichkeiten zum Ausleben der Sexualität und die tägliche Verteilung von Drogen. Unerwünscht sind hingegen eigenständiges Denken und Kritik, die die bestehende Ordnung ebenso nur gefährden könnten wie zu tiefgründige Kultur-Veranstaltungen und eine unabhängige Wissenschaft.

Parallelen zu den heutigen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnissen, in denen beispielsweise nicht nur pflichtgemäße Arbeitsausführung, sondern vielerorts eine „authentische“ Bejahung der auferlegten Arbeitspflichten verlangt wird, liegen sehr nahe. Die in Huxleys Werk enthaltenen Analysen bieten daher viele Ansatzpunkte, um die heutige Situation in Staat, Gesellschaft und Arbeitsleben kritisch zu beleuchten.

Das zwanzigseitige Nachwort (wohl aus 2014) erscheint hingegen deutlich zu „langatmig“ und inhaltlich viel zu wenig strukturiert und zugespitzt. Das Nachwort wirkt streckenweise sogar wie eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen und enthält zudem nur einen gering ausgeprägten Gegenwartsbezug. Das Aufzeigen solcher Bezüge wäre jedoch angesichts der zeitlosen Aussagen Huxleys nicht nur möglich, sondern für den heutigen Leser auch von hohem praktischem Interesse gewesen. Insoweit eine leider vergebene Chance.

Reinhard Marx plädiert in seinem Werk „Das Kapital“ für eine globale soziale Marktwirtschaft als dritten Weg zwischen Markt und Marx, für eine aktive staatliche Ordnungspolitik, aber auch für Evolution statt Revolution. Das gut ausgearbeitete Leitmotiv „Gerechtigkeit“ ist der rote Faden, der sein Werk durchzieht.

Eine ausschließliche Ausrichtung auf Gewinnmaximierung könne keinesfalls ein sinnvoller Weg sein. Sinn ergebe sich erst in ethischer Ausrichtung, über moralische Wertmaßstäbe. Damit trifft Reinhard Marx den richtigen Kern, den Nerv unserer Zeit.

Angelehnt an Augustinus fragt Marx: Was ist eine Gemeinschaft ohne Gerechtigkeit anderes als eine Räuberbande? Auch eine Räuberbande verfügt ja bereits über einen Anführer, hat sich zu einer Gemeinschaft verabredet und teilt die Beute nach fester Übereinkunft. 
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Gelten diese Kriterien, die Augustinus auf Staaten bezog, nicht auch für alle heutigen Organisationen und Großunternehmen und insbesondere für diejenigen Mitglieder der ökonomischen Führungskaste, die senerzeit an der Auslösung der Finanzkrise beteiligt waren?

Reinhard Marx aber sucht stets den Konsens und möchte wohl am allerliebsten – ganz konsequent in seinem Denken – niemanden ausgrenzen, niemandem wirklich weh tun, möglichst zu jedermann eine hübsche Brücke bauen. Er vertritt engagiert überzeugende Positionen, scheint dann aber zuweilen deutlich an Konsequenz zu verlieren, versteht er doch immer, dass der ein oder andere „Räuber“ – leider, leider und nachvollziehbarerweise den einen oder anderen Einwand hegt, was es – abgewogenermaßen – natürlich zu berücksichtigen gelte…

Aber will sich wirklich jeder der von Reinhard Marx deutlich benannten „Räuber“ überhaupt mitnehmen zu lassen zu einer „gerechten“ Ordnung? Woher auch sollten die uns bekannten „Räuber“ nur so plötzlich den guten Willen zu ethisch-ehrenwertem Handeln nehmen..? Glaubwürdige Verhaltensänderungen setzen jedenfalls viel mehr voraus als zuweilen vorgetragene Proklamationen, im Angesicht der Finanzkrise vom Saulus zum Paulus geworden zu sein.

Robert Langdon

Dan Brown hat in seiner Serie um Robert Langdon einen Kultcharakter geschaffen. Robert Langdon ist fiktiver Professor an der Harvard-Universität, dort unterrichtet er religiöse Ikonologie und Symbologie.

Die 5 teilige Serie besteht aus:

  1. Illuminati
  2. Sakrileg
  3. das Verlorene Symbol
  4. Inferno
  5. Origin