Wie Desinformation und Strippenzieherei ein Leben zerstören können.
Die verlorene Ehre der Katharina Blum ist eines der bekanntesten Werke von Heinrich Böll (1917-1985), dem Nobelpreisträger für Literatur von 1972. Böll schrieb die 1974 erschienene Erzählung vor dem Hintergrund seiner Auseinandersetzungen mit der Springer-Presse – im Nachgang zu den Studentenunruhen und Gewaltdebatten der 1960er und 1970er Jahre.

Aus heutiger Sicht erscheint der Roman Katharina Blum wie aus der Anfänger-Epoche einer hässlichen Desinformationskultur. Zielgerichtete und Menschen verachtende Desinformation und Verleumdungen bis hin zu physischer Vernichtung politischer Gegner und sonstiger Andersdenkender haben sich vor allem zu einer Angelegenheit autoritär geführter Staaten und der von ihnen kontrollierten Medien, Polizeiapparate und Geheimdienste entwickelt – in ihrer Wirkung durch Globalisierung noch verstärkt.
Für alle diese Fälle aber passt Bölls Feststellung wie die „Faust aufs Auge“: „Wer tausendmal lügt, dem glaub ich nicht, auch wenn er EINMAL die Wahrheit sagt.“

Die Boulevard-Presse nimmt einige Jahrzehnte nach Bölls Erzählung (jedenfalls vordergründig) wohl eine weniger prominente Rolle in der politischen Diskussion als in den 1970er Jahren ein. Das Vorspiegeln vermeintlich einfacher Lösungen für immer komplexere Probleme, eine undifferenzierte Darstellung und das Verzerren der Wirklichkeit fördert – jedenfalls mittelbar und langfristig – den Nährboden eines abstoßend wirkenden Populismus, der ebenso wie Boulevard-Presse und willfährige Staatsmedien vom Glauben an Einfach-Lösungen und von „alternativen Fakten“ lebt.

Böll sagt in seinem Nachwort zu Katharina Blum fast entschuldigend: „Vorzuwerfen habe ich mir nur eins: daß dieses Buch zu harmlos ist.“ Ja, für unsere Zeit… viel zu harmlos.