Das autobiographische Werk „Les Mots“ von Jean-Paul Sartre (1905-1980) erschien 1964 bei Editions Gallimard in Paris, die deutsche Fassung „Die Wörter“ folgte 1965.

Der Vater Jean-Baptiste Sartre (1874-1906), ein Marineoffizier war früh verstorben – Jean-Paul hatte keine persönlichen Erinnerungen an ihn. Den frühen Tod von Jean-Baptiste bezeichnet Sartre als „das große Ereignis meines Lebens“, welches nämlich dazu führte, das die Mutter gemeinsam mit ihrem Sohn wieder zu ihren Eltern zog. Insbesondere durch den Großvater, der eine Fremdsprachenschule leitete, erhielt Jean-Paul entscheidende, wenn auch sehr zwiespältig bewertete Anregungen in Richtung Literatur.

In großer Offenheit, ja geradezu schonungslos beleuchtet Jean-Paul Sartre die familiären Verhältnisse im Hause Schweitzer und sein dortiges Aufwachsen während des ersten Lebensjahrzehnts. Dabei spart Sartre auch nicht mit scharfer Selbstkritik.

Sartre entwickelt in seinem Werk tiefsinnige und immer wieder auch überraschende Gedankengänge zu der Bedeutung, die Literatur („Wörter“) und Philosophie bereits in den ersten Lebensjahren für ihn erhielten. Zunächst umfangreich gelesene Literatur, später auch selbstgeschriebene Texte erhalten für Jean-Paul den Status einer „Ersatzreligion“, die dem in einer notgedrungenen Rolle als Gast („Überzähliger“) im Hause Schweitzer befindlichen „kleinen Sartre“ („Poulou“) Lebenssinn vermittelt.

Auch wenn Sartre in späteren Jahren naturgemäß nicht an allen in seiner Kindheit entwickelten Überzeugungen festhalten wird, bildete sich bereits im ersten Lebensjahrzehnt der klare Berufswunsch Schriftsteller heraus – vor allem aber: das Fundament der Gedankenwelt von Jean-Paul Sartre war gelegt.

Sinnvoll erscheint es, sich vor der Lektüre der „Wörter“ zunächst einen groben Überblick über Sartres Lebenslauf, sein Gesamtwerk und seine existenzialistische Philosophie zu verschaffen, um „Les Mots“ dann richtig einordnen zu können. Ansonsten bliebe vermutlich zu vieles unverständlich.