Exzellenter Einstieg in die Philosophie, wunderbar geschrieben.
Der Philosoph und Politologe Luc Ferry, früherer französischer Erziehungsminister beschreibt in seinem Buch mit dem eher wenig aussagekräftigen Titel „Leben lernen: Eine philosophische Gebrauchsanweisung“ fünf philosophische (bzw. religiöse) Gedankengebäude: Den griechisch-römischen Stoizismus, das Christentum, den Humanismus (mit den Hauptrepräsentanten Descartes, Rousseau und Kant), die Postmoderne (insbesondere Nietzsche) und die zeitgenössische Philosophie nach der „Dekonstruktion“ (durch Nietzsche und seine ideengeschichtlichen Nachfolger).

Ferry stellt die einzelnen Denkrichtungen zunächst neutral dar – jeweils gegliedert nach den drei philosophischen Hauptthemen: Theorie (Verständnis dessen, was ist), Ethik/Moral (Bedürfnis nach Gerechtigkeit/wie sollte es sein?) und Weisheit (Suche nach Glück).

Daran anschließend nimmt der Autor Stellung und begründet schließlich seine Position als Humanist des „erweiterten Denkens“, der auf eigene Positionierung nicht verzichtet, aber sich für andere Philosophie-Richtungen öffnet, um seine Sichtweise kontinuierlich zu erweitern. Sein Arbeitsprintip lautet: Zu sich selbst auf Distanz gehen, um Selbstreflexion zu ermöglichen.

Der Titel „philosphische Gebrauchsanweisung“ erscheint eher nichtssagend und sehr austauschbar – wohl eine vergebene Chance, noch mehr – berechtigte – Aufmerksamkeit für ein wirklich überzeugendes Werk zu erzielen… sehr kompakter, unter prägnanten Schwerpunktsetzungen klar strukturierter und dabei leicht lesbarer Gesamtüberblick über die wesentlichsten philosophischen Grundrichtungen.
Empfehlung: Selbst mehrfaches Lesen dieses Buches ist keine Zeitverschwendung..

Reinhard Marx plädiert in seinem Werk „Das Kapital“ für eine globale soziale Marktwirtschaft als dritten Weg zwischen Markt und Marx, für eine aktive staatliche Ordnungspolitik, aber auch für Evolution statt Revolution. Das gut ausgearbeitete Leitmotiv „Gerechtigkeit“ ist der rote Faden, der sein Werk durchzieht.

Eine ausschließliche Ausrichtung auf Gewinnmaximierung könne keinesfalls ein sinnvoller Weg sein. Sinn ergebe sich erst in ethischer Ausrichtung, über moralische Wertmaßstäbe. Damit trifft Reinhard Marx den richtigen Kern, den Nerv unserer Zeit.

Angelehnt an Augustinus fragt Marx: Was ist eine Gemeinschaft ohne Gerechtigkeit anderes als eine Räuberbande? Auch eine Räuberbande verfügt ja bereits über einen Anführer, hat sich zu einer Gemeinschaft verabredet und teilt die Beute nach fester Übereinkunft. 
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Gelten diese Kriterien, die Augustinus auf Staaten bezog, nicht auch für alle heutigen Organisationen und Großunternehmen und insbesondere für diejenigen Mitglieder der ökonomischen Führungskaste, die senerzeit an der Auslösung der Finanzkrise beteiligt waren?

Reinhard Marx aber sucht stets den Konsens und möchte wohl am allerliebsten – ganz konsequent in seinem Denken – niemanden ausgrenzen, niemandem wirklich weh tun, möglichst zu jedermann eine hübsche Brücke bauen. Er vertritt engagiert überzeugende Positionen, scheint dann aber zuweilen deutlich an Konsequenz zu verlieren, versteht er doch immer, dass der ein oder andere „Räuber“ – leider, leider und nachvollziehbarerweise den einen oder anderen Einwand hegt, was es – abgewogenermaßen – natürlich zu berücksichtigen gelte…

Aber will sich wirklich jeder der von Reinhard Marx deutlich benannten „Räuber“ überhaupt mitnehmen zu lassen zu einer „gerechten“ Ordnung? Woher auch sollten die uns bekannten „Räuber“ nur so plötzlich den guten Willen zu ethisch-ehrenwertem Handeln nehmen..? Glaubwürdige Verhaltensänderungen setzen jedenfalls viel mehr voraus als zuweilen vorgetragene Proklamationen, im Angesicht der Finanzkrise vom Saulus zum Paulus geworden zu sein.

Das autobiographische Werk „Les Mots“ von Jean-Paul Sartre (1905-1980) erschien 1964 bei Editions Gallimard in Paris, die deutsche Fassung „Die Wörter“ folgte 1965.

Der Vater Jean-Baptiste Sartre (1874-1906), ein Marineoffizier war früh verstorben – Jean-Paul hatte keine persönlichen Erinnerungen an ihn. Den frühen Tod von Jean-Baptiste bezeichnet Sartre als „das große Ereignis meines Lebens“, welches nämlich dazu führte, das die Mutter gemeinsam mit ihrem Sohn wieder zu ihren Eltern zog. Insbesondere durch den Großvater, der eine Fremdsprachenschule leitete, erhielt Jean-Paul entscheidende, wenn auch sehr zwiespältig bewertete Anregungen in Richtung Literatur.

In großer Offenheit, ja geradezu schonungslos beleuchtet Jean-Paul Sartre die familiären Verhältnisse im Hause Schweitzer und sein dortiges Aufwachsen während des ersten Lebensjahrzehnts. Dabei spart Sartre auch nicht mit scharfer Selbstkritik.

Sartre entwickelt in seinem Werk tiefsinnige und immer wieder auch überraschende Gedankengänge zu der Bedeutung, die Literatur („Wörter“) und Philosophie bereits in den ersten Lebensjahren für ihn erhielten. Zunächst umfangreich gelesene Literatur, später auch selbstgeschriebene Texte erhalten für Jean-Paul den Status einer „Ersatzreligion“, die dem in einer notgedrungenen Rolle als Gast („Überzähliger“) im Hause Schweitzer befindlichen „kleinen Sartre“ („Poulou“) Lebenssinn vermittelt.

Auch wenn Sartre in späteren Jahren naturgemäß nicht an allen in seiner Kindheit entwickelten Überzeugungen festhalten wird, bildete sich bereits im ersten Lebensjahrzehnt der klare Berufswunsch Schriftsteller heraus – vor allem aber: das Fundament der Gedankenwelt von Jean-Paul Sartre war gelegt.

Sinnvoll erscheint es, sich vor der Lektüre der „Wörter“ zunächst einen groben Überblick über Sartres Lebenslauf, sein Gesamtwerk und seine existenzialistische Philosophie zu verschaffen, um „Les Mots“ dann richtig einordnen zu können. Ansonsten bliebe vermutlich zu vieles unverständlich.