Die Biografin Elisabeth Young-Bruehl (1946-2011) war einst Studentin bei der Philosophin, Politik-Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt (1906-1975) an der New Yorker School School for Social Research. Für die Ausarbeitung der vorliegenden Biografie standen des Psychotherapeutin Young-Bruehl auch der Arendt-Nachlass und die umfangreiche Korrespondenz Arendts weitestgehend zur Verfügung. Die Biografie vermittelt einen fachlich detaillierten, aber auch emotional berührenden Einblick in Persönlichkeit, Lebenslauf und die wichtigsten Werke Hannah Arendts.

Zu den Hauptwerken Hannah Arendts gehören „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (politisch) sowie „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ (philosophisch). Eine besondere Rolle spielt die Arendt-Biografie über die jüdisch geborene und 1814 zum Christentum konvertierte Rahel Varnhagen (1771-1833), die von 1790 bis 1806 einen bedeutenden literarischen Salon in Berlin führte und der sich Hannah Arendt in verschiedener Hinsicht nahe fühlte.

Die Wurzeln der im ostpreußischen Königsberg ansässigen jüdischen Familien Arendt und Cohn werden ebenso eingehend beleuchtet wie alle wichtigen Lebens- und Berufsstationen Arendts. Hervorragend gelungen ist der Biografin auch die Einbettung der Lebensgeschichte Hannah Arendts in ihren zeitgeschichtlichen Hintergrund – zwischen verlorener deutscher Heimat, jüdischer Identität, einem für Spätgeborene kaum vollumfänglich nachvollziehbaren Grauen des Nationalsozialismus und der neuen Heimat USA.

Nach ihrer Emigration aus Deutschland (1933) und dem Verlust ihrer deutschen Staatsangehörigkeit (1937) erhielt Arendt erst nach langer und schmerzhaft empfundener Staatenlosigkeit im Jahr 1951 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hannah Arendt zu einer wirkmächtigen Professorin, Journalistin, Historikerin und „politischen Philosophin“ – vor dem Hintergrund von israelischer Staatsgründung, Eichmann-Prozess in Jerusalem, Vietnam-Krieg, Black-Power-Bewegung in den USA, Ermordung von John F. Kennedy und Martin Luther King sowie Watergate-Skandal.

Leben und Denken Hannah Arendts wurde von den Kontakten zu Martin Heidegger, bei dem sie zwei Semester Philosophie in Marburg studierte, sowie durch die lebenslange Verbundenheit zu Karl Jaspers wesentlich mitgeprägt, bei dem sie in Heidelberg promoviert hatte.

 

Rüdiger Safranski stellt die wesentlichen Gedanken und Werke von Friedrich Nietzsche sehr klar und überzeugend vor – unter Verknüpfung mit der Biografie des Philosophen: Nur auf diese Weise lassen sich die teils widersprüchlichen Aussagen einordnen, die Friedrich Nietzsche zu unterschiedlichen Zeitpunkten seines Lebenslaufs entwickelte. Das Nietzsche-Werk Safranskis zeichnet sich durch einen klaren roten Faden aus. Der Autor verfügt über ein faszinierendes Universalwissen, das es ihm fast spielerisch ermöglicht, komplexe Zusammenhänge gut verständlich aufzuzeigen.

Safranski arbeitet die Verbindung Nietzsches mit dem zeitgenössischen Hintergrund heraus und verdeutlicht die gewaltige Wirkung Nietzsches auf nachfolgende Philosophen-Generationen, aber auch auf Politik und Gesellschaft. Gedankenlinien führen beispielsweise zu Sigmund Freud, Martin Heidegger, Thomas Mann, Henri Bergson, Adorno/Horkheimer und Michel Foucault. Der Autor erläutert, wie es dazu kam, dass einige Nietzsche-Äußerungen einseitig für bestimmte (insbesondere politische) Zwecke missbraucht werden konnten. Eine im Anhang befindliche „Chronik“ enthält eine nach einzelnen Kalenderjahren strukturierte, stichwortartige Nietzsche-Biografie.

Rüdiger Safranski verfügt über einen sehr gut verständlichen Schreibstil – bei dem jedoch jeder einzelne Satz von Bedeutung ist. Jedes Wort scheint bei Safranski abgewogen. Kein Satz ist überflüssig. Das heißt für den Leser: Jeder Satz muss „ernst genommen“ werden, nichts darf schnell einmal „überlesen“ werden – weil sonst das Verständnis für die fein gewobenen Gedankengänge des Autors verloren ginge.

Man wird bestimmt nicht jedem einzelnen Gedanken Nietzsches wortwörtlich folgen wollen, aber aus der wirbelnden Ideenwelt des Philosophen Friedrich Nietzsche ergeben sich sicherlich vielfältige Erkenntnisse und Gedankenanstöße.

Lesenswert – für jeden, der Grundlagen und Zusammenhänge europäischer Kultur verstehen möchte.