Sabine Bode: Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation

Die Traumata von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg: Eingewoben in die Persönlichkeiten der Nachkriegsgeneration
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Traumatische Erlebnisse haben einen großen Teil der Kriegsgeneration tief geprägt. Sabine Bode beleuchtet in zwanzig  Kapiteln psychische Auffälligkeiten, die für viele Persönlichkeiten der Nachkriegsgeneration (Kriegsenkel) und deren Familien charakteristisch sind.
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Eine systematische Trauma-Verarbeitung war der Kriegsgeneration angesichts eines seinerzeit chaotischen Umfeldes jedoch kaum möglich. Nicht verwunderlich ist daher, dass die Erziehung vieler Kriegsenkel (der Nachkommen der Kriegskinder) von den traumatischen Erlebnissen der Elterngeneration stark beeinflusst wurde.
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Sabine Bode zeigt auf, dass in der deutschen Nachkriegsgesellschaft über Jahrzehnte hinweg zwar eine Schulddiskussion stattfand, hierbei jedoch die Folgen von Nationalsozialismus und Kriegstraumata auf die Kriegsenkel  nicht thematisiert wurden. Erst Anfang des 21. Jahrhunderts (mehr als 50 Jahre nach Kriegsende) begann die Aufarbeitung derjenigen Spätfolgen des Zweiten Weltkrieges, die die Kriegsenkel-Generation trafen.
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Viele Kriegsenkel haben sich mit ihrem Trauma-Erbe oft über Jahrzehnte herumgequält, aber vergeblich nach einem Schlüssel zu bestimmten Merkmalen der eigenen Persönlichkeit gesucht. Wer als Kind eines Kriegskindes (insbesondere eines Flüchtlingskindes) das Verständnis für die Entwicklung seiner Persönlichkeit noch nicht gefunden hat, der dürfte bei Sabine Bode wohl häufig rasch fündig werden.
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Das Buch ist unbedingt zu empfehlen – für alle diejenigen aus der Nachkriegsgeneration, deren Eltern möglicherweise nie verarbeitete Kriegstraumata erlitten haben. Viele Leser aus dieser Zielgruppe dürften rasch zu verblüffenden und zugleich erleichternden Einsichten und Antworten zu bisher unbeantworteten, bedrückenden Fragen gelangen.

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