Rüdiger Vaas: Vom Gottesteilchen zur Weltformel. – Faszinierende Einblicke in die Mikro- und Astrophysik

Eine inhaltlich ausgezeichnete Einführung in die Mikro- und Astrophysik durch einen sehr fachkundigen Autor, der dem Leser eine komplexe Materie in aufgelockerter Form nahe bringt und auch über historische Entwicklungen (z. B. am CERN) informiert.

Allerdings: Abrufbare Vorkenntnisse über die Spezielle Relativitätstheorie Einsteins erleichtern ganz bestimmt den Einstieg in das Buch. Wer sich ohne das „Marschgepäck“ eines Vorwissens zum mikrokosmischen „Teilchenzoo“ an die Lektüre wagt, der dürfte womöglich bald enttäuscht aufgeben, zumal der Autor – begeistert über das Thema mit seiner Fachkompetenz spielend – auch schon einmal Fachbegriffe verwendet, ohne diese zuvor zu erläutern.

Wer jedoch die ersten etwa 60 Seiten sorgfältig durchgearbeitet hat und mit den Grundbegriffen des „Teilchenzoos“ umgehen kann, der wird wohl auch an den „restlichen“ 440 Seiten zu CERN, Higgs-Boson, Antimaterie, Dunkler Materie, Dunkler Energie, Supersymmetrien und Stringtheorie Interesse finden und sich ein außerordentlich spannendes und vom Autor gut aufbereitetes Thema erschließen, das schließlich sogar philosophische Fragen berührt.

Ein schnelles Durchlesen „im Vorübergehen“ ist nicht zu empfehlen. Regelmäßiges Nachschlagen an denjenigen Textstellen, in denen bestimmte Fachbegriffe der Mikro- oder Astrophysik erstmals erläutert werden, erscheint unerlässlich, um dem weiteren Textverlauf folgen zu können. Wer als Laie allzu oft (nach etlichen Seiten nicht mehr präsente) Fachbegriffe „überliest“, ohne immer wieder einzuhalten und sich die Mühe zu machen, Fachliches sich noch einmal bewusst machen, der wird nur einen eingeschränkten Nutzen aus dem Buch ziehen können.

Erwähnt werden muss aber, dass dieses Sachbuch einen durchaus schwerwiegenden Mangel aufweist (gerade für in der Mikro- und Astrophysik zunächst unkundige Laien): Das Buch verfügt nur über ein rudimentäres Inhaltsverzeichnis und verzichtet auf jegliches Stichwortverzeichnis – ein eklatante Lücke für ein thematisch anspruchsvolles Werk. Die daher erforderliche (eben auch nicht durch ein hinreichend aufgegliedertes Inhaltsverzeichnis unterstützte) Suche nach den erläuternden Fundstellen innerhalb eines 500-seitigen Buches ist für den Leser sehr umständlich und zeitaufwändig (wenn man denn den Text wirklich verstehen möchte).

Dieser Mangel wird auch nicht durch die exzellenten Übersichten zu Kernbegriffen der Mikro- und Astrophysik (in Tabellen- bzw. Listenform), am Ende jedes der sieben Kapitel eingefügte Zusammenfassungen oder durch das umfangreiche Literaturverzeichnis ausgeglichen. Wegen des sehr guten und insgesamt verständlich dargestellten Inhalts ist das Buch gleichwohl empfehlenswert.

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